Berühmter Sohn der Stadt Halle, bekannt als Industrieller und Wohltäter der Stadt an der Saale. Aufgewachsen ist Mathäus Ludwig Wucherer in einem Halleschen stattlichen Patrizierhaus in der Großen Ulrichstraße, der damaligen Nr. 73. Sein Vater betrieb erfolgreich eine Fabrik (Flanelldruckerei).
Geboren am 30. Mai 1790 als jüngstes von vier Geschwistern erhielt er eine hohe Bildung auf einer Art Privatschule. Mit dem Versterben seines älteren Bruders erfüllte er die Nachfolge im väterlichen Geschäft.

1806 ging er deshalb nach Breslau, zum großen Handelshaus Fröbus und Comp. 1810 kehrte er nach Halle zurück und übernahm praktisch die Leitung des Geschäfts.riegswirren und Kontinentalsperre erschwerten die wirtschaftliche Situation erheblich. Das preußische Halle war inzwischen an das von Napoleons Bruder Jérôme regierte Königreich Westphalen angegliedert worden. Seine preußische Gesinnung verband Wucherer mit Keferstein, Steffens, Colbatzky, Reil und anderen Mitgliedern des “Patriotischen Schießklubs”, deren Ziel die Mobilmachung gegen die französische Herrschaft war. Im März 1813 folgte Wucherer dem Aufruf des Königs Friedrich Wilhelm III. und trat als reitender Jäger in das Lützowsche Freikorps ein. Im Juni wurde seine Abteilung von feindlichen Truppen aufgerieben, er geriet schwer verwundet in Gefangenschaft. Während des Transports nach Frankreich gelang ihm die Flucht, und er schlug sich über Heidelberg nach Berlin durch.

Nach der Völkerschlacht von Leipzig kehrte er kurz nach Halle zurück, um sich um sein zwischenzeitlich sequestiertes Vermögen zu kümmern, um noch im November des gleichen Jahres als Lieutenant in das Elb-National-Husarenregiment einzutreten. Er erwarb sich sowohl beim Kampf um Magdeburg als auch als Adjudant des Generals von Müfflingen bei der Schlacht von Waterloo Verdienste, die bei der preußischen Regierung wohlwollend zur Kenntnis genommen wurden, was sich später in seiner zivilen Tätigkeit durchaus als nützlich erwies. Nach Friedensschluss arbeitete er in Paris in der Kommission zur Rückholung der von Napoleon geraubten Kunstwerke.

Im Herbst 1815 kehrte er nach Halle zurück und widmete sich der kaufmännischen Leitung seiner Zeugdruckerei. Das Geschäft florierte innerhalb weniger Jahre, ein Großteil seiner Produkte fand im Ausland Absatz. Oberbürgermeister Streiber berief den energischen Unternehmer 1818 als unbesoldeten Stadtrat in den Magistrat. Sein Eifer und Erfolg bei der Tilgung der Kriegsschulden der Stadt Halle prädestinierten ihn zum Kämmerer, dessen besoldeten Posten er 1822 annahm.

Sein ausgeprägter Sinn für das Allgemeinwohl, die ungeheure Energie und Schaffenskraft, die Wucherer sowohl als Stadtrat und Unternehmer wie auch als Privatperson auszeichneten, zeigen sich in unzähligen Beispielen.:

Als sein Lebenswerk, das die Situation unserer Stadt bis in die heutige Zeit bestimmt, muss sein Kampf um den Eisenbahnanschluss Halles gesehen werden. Bis an sein Lebensende kämpfte Wucherer darum, bei dem nun einsetzenden Streckenbau Halle in der Planung als Knotenpunkt zu etablieren. Mit der Westverbindung nach Kassel, später dann der Anbindung an Berlin über Wittenberg-Bitterfeld nahm seine Vision immer mehr Gestalt an.

Neben diesem umfangreichen wirtschaftlichen und gemeinnützigen Engagement fand Ludwig Wucherer noch Zeit, sich auch als Förderer des halleschen Kunstlebens hervorzutun. In Wucherers Haus verkehrten Schleiermacher, Meckel, Reichardt, Bertram, Jacob, Dryander, Steffens, Keferstein. Seit 1814 war er Mitglied in der Freimaurerloge “Zu den drei Degen“. Für seine außerordentlichen Verdienste wurde er 1845 vom preußischen König mit dem Titel eines Geheimen Kommerzienrates ausgezeichnet, gefolgt vom roten Adlerorden dritter Klasse. Der Magistrat der Stadt Halle verlieh ihm den Titel “Stadtältester” sowie die silberne Bürgerkrone.

Ludwig Wucherer verstarb 1884, nach ihm wurde die Ludwig-Wucherer-Straße in Halle benannt.