Psychosomatik in der Zahnmedizin

„Seele und Körper, so meine ich, reagieren sympathetisch aufeinander, eine Veränderung in dem Zustand der Seele erzeugt eine Veränderung in der Gestalt des Körpers und umgekehrt: Eine Veränderung in der Gestalt des Körpers erzeugt eine Veränderung in dem Zustand der Seele.“ Aristoteles (384–322 v. Chr.)

Es hat eine Weile gedauert, aber mittlerweile gilt die Psychosomatische Zahnmedizin als eigenständiges Fachgebiet. Sie bietet eine etwas andere Sichtweise auf die Entstehung und Behandlung von Krankheiten und Beschwerden.

Erst in den späten 70er Jahren konnte der amerikanische Internist George L. Engel den Begriff des Bio-Psycho-Sozialen-Modells formulieren, der im Unterschied zum vorherrschenden biomedizinischen Modell davon ausgeht, dass sowohl biologische als auch psychische und soziale Faktoren bei der Entstehung von Erkrankung eine Rolle spielen. Die weitere Geschichte gab ihm Recht.

Seit Jahren steigt die Zahl der psychisch angeschlagenen oder verhaltensgestörten Menschen. Nach einer aktuellen Untersuchung der gesetzlichen Krankenkassen, nehmen die Kosten für die Behandlung dieser Patienten den zweiten Platz in der Gesamtzahl der medizinischen Maßnahmen ein. Gut 20 Prozent der Patienten einer durchschnittlichen Zahnarztpraxis haben neben den herkömmlichen Zahnschmerzen auch mit psychischen Problemen zu kämpfen.

„Ein Zahnarzt in Deutschland hat im Mittel ca. 1.200 Patienten in seinem Karteikartenschrank. Rechnet man prozentual mal alle psychischen Krankheitsbilder zusammen, dann kommt man auf wesentlich mehr psychisch gestörter Patienten die eine Zahnarztpraxis besuchen, als es eine herkömmliche Praxis eines Psychologen.“ merkt Roger Barz, Zahnarzt in der Innenstadt von Halle an der Saale, an.

Zahnmedizin besteht somit nicht nur aus Karies und Parodontitis. Als Zahnarzt hat man mittlerweile die Pflicht diesen Aspekt der Ganzheitliche Zahnmedizin in sein Behandlungskonzept einfliessen zu lassen. Denn Kenntnisse in der Anwendung Psychosomatische Zahnmedizin und der allgemeinen Psychologie vermeiden oftmals drastische Fehlbehandlungen.

„Es passiert nicht selten, dass ein Patient mit akuten Beschwerden an einem Backenzahn in die Praxis kommt. Der Zahnarzt kann nichts auf dem Röntgenbild entdecken. Kommen eventuell die Schmerzen von der kleinen Karies an diesen Zahn? Vielleicht wird dann eine kleine Füllung an einer Stelle gemacht, doch die Beschwerden halten an, werden oftmals für den Patienten gefühlt schlimmer. Oftmals auch bei ständig wechselnder Wetterlage. Patient sitzt eine Woche später wieder auf dem Behandlungsstuhl und der Zahnarzt weiß sich anders oftmals nicht zu helfen und entfernt durch eine Wurzelbehandlung den Zahnnerv. Jetzt müßte doch eigentlich Ruhe sein, ist es aber nicht. Dieser Weg geht dann oftmals weiter bis zur vollständigen Entfernung des Zahnes. So seltsam es dann auch manchmal scheint, der Patient klagt weiterhin über bestehende Schmerzen, obwohl an dieser Stelle gar kein Zahn mehr ist. – Mit genau solchen Situationen, wo wir als Zahnärzte oftmals an unsere Grenzen stoßen, beschäftigt sich die Psychosomatische Zahnmedizin.“ schildert der Inhaber der Praxis Zahngesundheit Halle.

Stress, Unzufriedenheit, Burnout oder Einsamkeit können sich direkt auf das Körpergefühl und das Schmerzempfinden niederschlagen.

Die Konsequenz dieser veränderten Perspektive besteht darin, dass im Feld einer Diagnostik und Therapie psychosoziale Ursachen Berücksichtigung finden müssen. Für die zahnärztliche Praxis bedeutet dies, dass ein Mindestmaß an psychosozialer Kenntnisse über den Patienten in der zahnärztlichen Kommunikation gewonnen werden müssen, und dass jede Zahnärztin und jeder Zahnarzt die wichtigsten zahnmedizinisch relevanten psychosomatischen Krankheitsbilder kennen und erkennen sollte.

Wichtige psychosomatischen Krankheitsbilder der Zahnmedizin sind:

Prothesenunverträglichkeit

Burning Mouth Syndrome

Zahnbehandlungsphobie

Bruxismus

Craniomandibuläre Störungen

Zahnarzt Roger Barz hat die Relevanz dieses Aspektes in der Zahnmedizin bereits recht früh für seine Behandlungsweise erkannt und in seinem Betreuungskonzept einfliessen lassen. Bereits frühzeitig absolvierte er die zahnärztliche Hypnose-Ausbildung bei der DGZH,

machte seinen Practitioner im NLP (Neuro Linguistischen Programmieren) beim DVNLP und schließlich seinen NLP-Master bei Thees Stahl in Hamburg.

„Es war für mich dann auch eine logische Konsequenz, dass ich mich mit dem interessanten Feld der Psychosomatik in der Zahnmedizin beschäftigen wollte.“ Dafür mußte Zahnarzt Roger Barz über ein Jahr den langen Weg nach Münster bestreiten, denn dort gibt es eine etablierte Abteilung für den Bereich der Zahnmedizinischen Psychosomatik, die in Deutschland in ihrer Art führend ist.

Fotos: Roger Barz, BW Fotowerk und Hartmut Friedrich