Geheimnisse der Zahnmedizin

Rätsel beim Zahnarzt

Die Menschheit hat das Internet erfunden, Mittel gegen Krebs entwickelt und ist zum Mond geflogen, doch beim Zahnarzt fühlen sich viele Patienten wieder komplett in die Steinzeit zurückversetzt. Warum hat man eigentlich noch nichts gegen dieses blöde Bohren erfunden? Wie entsteht eigentlich Karies? Gibt es eine Zahnfee? Muss das alles immer so wehtun und was redet da eigentlich mein Zahnarzt die ganze Zeit? Fragen über Fragen, doch gibt es auch Antworten?

Rätselhafte Phänomene beim Zahnarztbesuch

Hier in diesem Beitrag versuchen wir, Ihnen auf die drängendsten Fragen ein paar Antworten zu geben. Doch was interessiert die Leute eigentlich überhaupt?
Befragt man hierzu Tante Google im Internet, trifft man überraschenderweise auf recht wenige offene Fragen. Gerne werden die „7 Geheimnisse der Stars für strahlend weiße Zähne“ verraten oder wie man innerhalb kürzester Zeit ein Hollywood-Lächeln bekommt, doch klickt man diese Seiten erwartungsfroh an, findet man dort nur Allgemeinplätze vor.
Ratschläge, die Ihnen der Zahnarzt auch in seiner regulären Sprechstunde geben kann: regelmäßig putzen, wenig Zucker und nicht zu viel Obst, ab und zu eine Zahnreinigung, Bleaching, Kieferorthopädie und Veneers bei gelben oder schiefen  Zähnen. Okay, das ist jetzt alles nicht unbedingt so neu. Doch was wollen Patienten wirklich wissen und trauen sich einfach nicht zu fragen?

Was sind eigentlich Ihre Fragen an den Zahnarzt?

In dem nachfolgenden Artikel haben wir uns auf die Suche gemacht, was Patienten wirklich interessiert. Entstanden ist daraus eine kleine Hitparade. Doch ist Ihre dringlichste Frage mit dabei? Falls nicht, dann schreiben Sie uns diese hier in das KontaktformularWir sind echt gespannt!

1. Was ist das größte Rätsel in der Zahnmedizin?

Es sind die Kreidezähne. Hier sind die Zahnmediziner momentan absolut ratlos? Das Phänomen wird erst seit wenigen Jahren immer häufiger beobachtet. Erst Im Jahr 2003 bekam die Krankheit auch einen Namen: Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation, kurz MIH genannt.
Es ist immer dasselbe. Ein Milchzahn fällt aus und es wächst ganz normal ein neuer Zahn nach und dieser ist aber schon beim Durchbruch komplett kariös zerstört, so derartig, als wäre er jahrelang nicht geputzt worden.
Das Kind trifft keine Schuld. Es hatte gar keine Chance, den Zahn auch wirklich zu putzen. Der Zahn kommt sozusagen schon kaputt auf die Welt.
Mittelweile sind fast 30 Prozent der Kinder in Deutschland davon betroffen. Zahnärzte und auch Eltern sind hier absolut ratlos.
Während man früher annahm, dass Sauerstoffmangel bei der Geburt, chronische Erkrankungen im frühkindlichen Alter oder die häufige Verabreichung von Antibiotika Ursachen hierfür sein könnten, hat man diese Theorien heute teilweise wieder verworfen.
Aktuell werden bestimmte chemische Weichmacher (Bisphenol A), die sich u.a. in den Kunstoffen von PET-Flaschen befinden, als Ursache ausgemacht. Doch so wirklich richtig glücklich ist niemand mit dieser Erklärung. Hier wird man noch lange forschen und rätseln müssen. 

2. Macht Zähneputzen wirklich Sinn?

Früh, abends und oftmals auch zwischendurch… ich putze ständig meine Zähne, benutze Zahnseide und Mundspülung und trotzdem findet mein Zahnarzt immer wieder ein Loch. Was mache ich eigentlich falsch? Ist die Zahnreinigung vielleicht eine reine Erfindung der Kosmetikindustrie?
Stellt man am Abend den Fernseher an und es läuft schließlich der obligatorische Werbeblock, dann beschäftigt sich gefühlt jeder dritte Spot mit dem menschlichen Gebiss. Zahnpasta, Mundwasser, elektrische Zahnbürsten, Prothesenkleber, Zahnzusatzversicherungen und vieles mehr werden feilgeboten. Die Produktpalette ist schier unendlich. Trotzdem muss immer noch gebohrt und gezogen werden. Ist das Zähneputzen eine große Verschwörung der Pharmaindustrie?
Wohl kaum! Eine gute Mundhygiene verhindert Löcher in Zähnen und Zahnfleischbluten. Doch Karies und viele Erkrankungen des Zahnhalteapparates (Parodontitis) hängen nicht nur allein von der Zahnpflege ab.
Ob wir ständig beim Zahnarzt sein müssen ist im Wesentlichen genetisch vorprogrammiert. Auch allgemeine Erkrankungen, wie z.B. Diabetes oder bestimmte Allergien wirken sich ebenso ungünstig auf die Zahngesundheit aus. Rauchen, Stress und eine ungesunde Lebensweise tun dann ihr übriges dazu.
Berücksichtigt man all diese Faktoren, entscheidet hauptsächlich die familiäre Veranlagung über den Zustand unserer Zähne. Der Rest ist Zähneputzen und regelmäßige Zahnarztbesuche. Immerhin!

3. Gibt es eine Pille gegen Karies?

Karies und Parodontitis sind die Volkskrankheiten Nummer Eins. Nichts plagt so viele Menschen weltweit so sehr. Logisch, dass die Wissenschaft fieberhaft daran arbeitet, die sogenannte Zahnfäule endlich zu besiegen. Doch die Chancen stehen schlecht.
Karies entsteht durch Bakterien. Erst glaubte man, dass man einfach nur den bekanntesten Karieserreger, den Streptococcus mutans, mit einer gezielten Antibiotika-Therapie ausschalten muss und schon ist das Problem gelöst. Eine einzige Spritze gegen das Loch im Zahn?
Zu schön, um wahr zu sein. Leider ist dieser Wunsch zum Scheitern verurteilt, denn es ist nicht nur ein Bakterium, sondern ein ganzer Mix an unterschiedlichen Erregern, die Karies verursachen können. Diese alle gleichzeitig mit einer Impfung auslöschen zu wollen, ist leider derzeit und wird auch in Zukunft nicht möglich sein.
Daher konzentrieren sich die Wissenschaftler darauf, dass Anhaften der Bakterien an den Zahn zu verhindern. Mundspülungen, Probiotika, Kaugummis und auch Zahnpasten sollen das Andocken der Erreger unterbinden und somit die Entstehung von Zahnbelägen (Plaque) vermindern. Das Zähneputzen und den Zahnarztbesuch wird dies nicht ersetzen.  

4. Können Zähne nicht einfach wieder nachwachsen?

Können sie schon, doch nur nicht bei uns Menschen. Zähne gehören rein entwicklungsgeschichtlich betrachtet zu den Anhangsgebilden der Haut, genauso wie Haare und Fingernägel. Diese können nachwachsen, doch im Laufe der Evolution ist bei uns Menschen diese Eigenschaft leider verloren gegangen.
Anders dagegen in der Tierwelt. Haifische, Echsen und Nagetiere können abgenutzte oder beschädigte Zähne einfach wieder entstehen lassen. Grandios!
Aber auch hier gibt es Hoffnung für die Menschheit. Forschern ist es erst jüngst gelungen, aus Zahnwurzelzellen kleine Zahnkeime entstehen zu lassen.
Werden diese dann in einen Kiefer eingepflanzt, entstehen neue Zähne. In Tierversuchen ist das bereits geglückt. Ein neues Gebiss aus dem Reagenzglas? Schöne neue Welt…  

5. Darf man sich Zahnschmerzen auch einbilden?

Verrückt! Kann man Zahnschmerzen haben, auch wenn der Zahnarzt nichts findet?
Bis vor wenigen Jahren hat die Schulmedizin diese Frage strikt verneint. Doch heute wissen wir, dass der Mundraum nicht nur zu der sensibelsten Regionen im Körper gehört, sondern auch viele psychische Befindlichkeiten gern dorthin projiziert werden.
Aufschluss darüber gibt uns oftmals die eigene Sprache: „Das musste ich zähneknirschend zur Kenntnis nehmen.“; „Ich glaub, ich krieg Plaque!“, „Zur Zeit krauche ich ziemlich auf dem Zahnfleisch.“, „Da krieg ich so einen Hals!“… das sind nur einige gängige umgangssprachliche Formulierungen, die unsere innere Verfassung ausdrücken und alle haben sie irgendwie mit den Zähne zu tun.
Ein ausreichender Hinweis für viele Psychologen, dass wir häufig Anspannung und alltägliche Probleme in unserem Kauorgan verorten. Zähneknirschen und Kopfschmerzen sind dann nur eine Folge davon.
Manchmal kann sich ein Zahn schmerzhaft melden, auch dann, wenn er rein klinisch völlig gesund ist. Kein Loch, keine Entzündung, kein Zahnfleischbluten, doch trotzdem möchte man den Übeltäter vor lauter Schmerzen am liebsten loswerden. Zahnweh weil die Seele leidet?
Dieser Thematik widmet sich seit vielen Jahren die Psychosomatik in der Zahnmedizin. Führend auf diesem Gebiet ist die Universität in Münster. Es wurde hierfür sogar ein eigener Lehrstuhl gegründet. Das ist einzigartig in der Bundesrepublik.
„Vor wenigen Jahren hatte ich die großartige Möglichkeit, mich auf diesem speziellen Gebiet in Münster weiterzubilden.“, schildert Zahnarzt Roger Barz. „Es war absolut spannend, hochinteressant und erhellend. Noch heute profitiere ich mit diesem Wissen bei der Diagnose von untypischen Zahnschmerzen, denn an jedem Zahn hängt auch ein Mensch.“  

6. Warum muss man heute eigentlich immer noch bohren?

Gibt es da nichts Besseres? In den meisten Fällen nicht. Zwar gibt es Möglichkeiten, Karies mit einem Laser, ohne den herkömmlichen Bohrer, zu entfernen, aber leider funktioniert das nicht für alle Löcher im Zahn. Kariesentfernung ohne Bohrgeräusche wird es wohl auch in Zukunft nicht geben, doch muss man heute unter Umständen nicht mehr so tief bohren.
Was früher unter Kollegen gerne als „Pfusch“ bezeichnet wurde, findet heute auch in Deutschland immer mehr Anhänger. Hier wird ein Teil der sichtbaren Karies belassen, die betroffene Stelle am Zahn mit bestimmten Chemikalien behandelt und dann dicht mit einer Füllung verschlossen. Ziel ist es dabei, möglichst viel natürliche Substanz vom Zahn zu erhalten und eine drohende Wurzelbehandlung zu vermeiden.
Durch diese Abdichtung wird den Kariesbakterien die Nährstoffzufuhr abgeschnitten. Die kleinen Übeltäter brauchen nämlich Kohlenhydrate, um ihr zerstörerisches Werk zu vollbringen. Diese fehlen ihnen dann. Die Karieserreger werden im Grunde regelrecht ausgehungert.
In Ländern wie Norwegen ist diese Technik bereits zahnmedizinischer Standard. In Deutschland oder Frankreich behandeln immerhin 10 Prozent der Zahnärzte nach diesen neuen Erkenntnissen. Chapeau! 

7. Kann man dann wenigstens etwas gegen diese Bohrgeräusche tun?

„Zahnarzt stört mich eigentlich nicht weiter, wenn da bloß nicht diese Geräusche wären!“ – Das schildern viele Patienten, die gern einen Besuch beim Zahnarzt vermeiden.
Alles wäre nicht so schlimm, wenn man bloß nicht dieses nervtötende Surren und Rumpeln hören würde. Das muss man doch irgendwie abstellen können!
Leider nein. Das hat eine ganze Menge mit unserer Anatomie zu tun. Unser Hörorgan liegt nicht nur räumlich ganz dicht neben den Kiefergelenken, sondern die sich darin befindenden Ohrknöchelchen (Steigbügel, Amboss etc.) stammen auch entwicklungsgeschichtlich direkt von unserem Kieferknochen ab.
Diese Nähe lässt somit das Bohrgeräusch für viele Patienten laut und unangenehm erscheinen. Es hilft daher auch nicht, sich bei der Behandlung Kopfhörer aufzusetzen. Wenn der Zahnarzt bohrt, dann hören wir die Geräusche nicht über unser äußeres Ohr, sondern der unliebsame Schall wird direkt durch den Kieferknochen in das Innenohr geleitet. Die Heavy Metal Mucke kann also getrost zu Hause bleiben.  

8. Warum trinken Promis ihren Sekt immer mit Strohhalmen?

Wer kennt sie nicht, die Bilder aus der Regenbogenpresse. Filmstars, Serienhelden und auch so mancher Rock-Musiker trinken ihren Prosecco oftmals mit einem Strohhalm aus der Dose. Wollen die einfach nur schneller betrunken werden?
Wohl kaum. Vielmehr möchte man schon im Vorfeld Schäden an den Zähnen vermeiden. Sekt, Champagner oder auch Prosecco sind stark zuckerhaltige Getränke. Der Strohhalm soll die zahnschädliche Flüssigkeit elegant an den Zähne vorbeileiten, so dass der Zahnschmelz nicht angegriffen wird. Ob das wirklich hilft?
Wirklich erwiesen ist das nicht. Was auf jedem Falle hilft, ist nach dem Genuss von vergorenen Traubensäften ein einfaches Glas mit Mineralwasser zu trinken. Das neutralisiert die Säuren und macht vielleicht auch wieder nüchtern.
Keine gute Idee dagegen ist es, sich sofort nach dem Genuss von prickelnden Alkoholika die Zähne zu putzen. Durch die noch vorhandenen Säuren im Mundraum, putz man sich den Schmelz eher runter und tut sich und seinen Zähnen damit gar nichts Gutes. Das gilt übrigens auch für Cola, Säfte und Obst.   

9. Warum ist mein Zahnarzt manchmal so angespannt?

Für viele ist es der Traumberuf schlechthin. Doch nur wenige haben vor dem Studium auch wirklich eine Ahnung davon, was der Beruf des Zahnarztes eigentlich bedeutet.
Warum man Zahnarzt wird und wie man mit den gängigen Vorurteilen und dem Alltag in der Praxis so zurechtkommt, zeigt dieses unterhaltsame Video:

Doch ist das wirklich ein Grund, warum nicht nur Patienten, sondern auch viele Zahnärzte während der Behandlung so angespannt sind? Psychologen und Arbeitswissenschaftler haben hier eine klare Antwort: Der Zahnarztberuf zählt zu den gefährlichsten Berufe überhaupt.
Weshalb das so ist, kann man hier in diesem Artikel erfahren. Sie werden erstaunt sein!

Nicht umsonst gibt es daher auch den „Ich liebe meinen Zahnarzt“ Tag. Neben dem „Tag der Zahngesundheit“ das wichtigste Datum für Dentisten. Gefeiert wird am 02. Juni und am 25. September. Dazwischen wird gearbeitet.  

10. Gibt es eine Zahnfee?

Nein, aber wir glauben trotzdem dran. Sie zählt zwar nicht zum offiziellen Mitglied im Team der Praxis Zahngesundheit Halle, trotzdem wissen wir sie in vielen Situation zu schätzen. Das sollten Sie auch tun! 

11. Die geheime Sprache der Zahnärzte

„Zehocclusalmesialbeivierfünf, Verdachtaufapproximalkariesbeizweisiebenundzweisechs, einsachtex, 23istohbe.“… was redet da mein Zahnarzt eigentlich die ganze Zeit? Diese Frage stellen sich die meisten Patienten, wenn sie mit offenem Mund auf dem Zahnarztstuhl liegen und der Zahnarzt mal kurz durchschaut. Ist das, was er da gerade sagt, jetzt gut oder schlecht? Muss ich mir Sorgen machen oder bin ich hier gleich wieder raus?
Die kryptischen Zahlenkombinationen, die sich für Außenstehende wie ein geheimer Code der Dentisten anhört, sind im Grunde der Versuch, ihren individuellen Gebissbefund in ein bestimmtes Zahnschema zu übertragen.
Dieses ist dann zum Beispiel wichtig für die Planung eines Heil- und Kostenplanes und die spätere Abrechnung von Zahnersatz bei ihrer Krankenkasse oder Zusatzversicherung.
Es dient einfach zur Orientierung, wo sich ein Loch befindet und welcher Zahn vielleicht eine Krone braucht.
Lassen Sie Ihren Zahnarzt einfach ruhig weiter in seinem Mundschutz plappern. Er muss den aktuell Befund an die Schwester weitergeben, damit alles gut dokumentiert ist und behandelt werden kann… und das auch am richtigen Zahn.
Verantwortungsvolle Berufskollegen erklären dem Patienten dann im Anschluss ihr Fachlatein. Sollten Sie etwas nicht verstehen, dann fragen Sie einfach nach. Keine Scheu!  

Und jetzt sind Sie dran!

Also, liebe Leser. Haben Sie auch hier keine Scheu. Fragen Sie uns hier direkt unter diesem Link, was Ihnen am meisten unter den Nägeln brennt. Wir sind neugierig auf Ihre Fragen! Vielleicht gelingt es uns, diese auch zu beantworten. 

Fotos: Matthias Vogel, Roger Barz, Fotolia & Pixabay